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Fogging, Magic Dust, Schwarze Wohnung

Wir Menschen sind sensorische Wesen. Was wir nicht sehen, hören, riechen oder ertasten können, existiert in unserer Wahrnehmung nicht. Erst wenn wir etwas mit unseren Sinne erfassen, nehmen wir es wahr. Die teilweise nicht unerhebliche Belastung der Luft in Innenräumen mit den unterschiedlichsten Chemikalien wird von vielen Menschen daher nicht als Problem erkannt.

Erst wenn es zu erfahrbaren gesundheitlichen oder ästhetischen Beeinträchtigungen kommt wird gehandelt. Eine solche Beeinträchtigungen ist das Phänomen der „schwarzen Wohnungen“. Dabei handelt es sich um plötzlich auftretende schwärzliche, rußähnliche Staubablagerungen auf Wänden, Möbeln, Fensterscheiben usw. Die Ablagerungen sind in vielen Fällen ölig/schmierig und lassen sich nur sehr schwer entfernen. In einigen Wohnungen kommt es gleichzeitig zu Geruchsentwicklungen und Reizung der Schleimhäute der Bewohner.

Die Ursache für das Fogging-Phänomen ist wahrscheinlich ein Zusammenspiel vieler Einflüsse, die sich gegenseitig verstärken. Neben der dichten, energiesparenden Bauweise haben sich bestimmte Faktoren in unterschiedlichen Untersuchungen (u.a. Umweltbundesamt) als problematisch herausgestellt:

  • Baumaterialien,
  • Raumausstattung und Möbel,
  • Nutzerverhalten
  • Raumklima/ Umweltbedingungen.

Eine pauschale Darstellung von Ursache-Wirkung-Zusammenhängen ist auch deswegen nicht möglich, da das Phänomen nicht automatisch auftritt, wenn alle Einflussgrößen vorhanden sind. So kann es in einigen Wohnungen zu Schwärzungen an Wänden und Decken kommen, aber in vergleichbaren Wohnungen und unter ähnlichen Umweltbedingungen bleibt der Fogging-Effekt aus. Allen Fogging-Fällen gemein ist der Zeitpunkt, zu dem der Effekt sichtbar wird. Meist treten die Schwärzungen nach Renovierungsarbeiten in den Wintermonaten auf, wenn viel geheizt und wenig gelüftet wird. In einigen Fällen wurde zudem deutlich, dass auch das Nutzerverhalten eine Rolle spielt, wenn bestimmte Grenzbereiche (übermäßiges Heizen, wenig bis keine Lüftung, häufiges Abbrennen von Kerzen usw.) überschritten werden.

An der Entstehung des Fogging-Effekts sind verschiedene Faktoren beteiligt: schwerflüchtige organische Verbindungen (SVOC), die seit den 1990er Jahren verstärkt in Klebern, Lacken, Laminat- oder PVC-Böden, Kunstfaserteppichböden, Struktur-Tapeten usw. statt der leichtflüchtigen organischen Verbindungen (VOC) eingesetzt werden, grobe und feine Staubpartikel, die im Haushalt und der Umwelt täglich entstehen, feinen und feinsten Rußpartikel, die beim Abrennen von Kerzen, Öllampen, Zigaretten und Kaminen entstehen.

Es wird davon ausgegangen, dass die SVOC aus den Baumaterialien und Einrichtungsgegenständen ausgasen und sich in der Raumluft anreichern. Zusammen mit den Staubteilen in der Raumluft, die sich an den SVOC anlagern, werden größere (schwarze, rußähnliche) Partikel gebildet. Diese Partikel lagern sich dann an Flächen ab, die statisch aufgeladen sind oder sie kondensieren mit der Raumluft an kalten Bauteilen (Wärmebrücken). Andere Untersuchungen haben gezeigt, dass manche Baumaterialien und Einrichtungsgegenstände die SVOC nur ausschwitzen und die Staubteile sich dann dort ablagern bzw. „kleben“ bleiben.

Empfohlene Maßnahmen

Obwohl aufgrund des komplexen Zusammenspiels verschiedener Faktoren, die Ursachen für den Fogging-Effekt nicht immer eindeutig benannt werden können, ist es möglich, mit relativ einfachen Methoden diesem vorzubeugen oder zu sanieren. In vielen Fällen reicht es aus, einen der möglichen Einflußfaktoren auszuschalten.

Grundsätzlich sollte sowohl beim Bauen als auch bei der Renovierung von Wohnraum darauf geachtet werden, bevorzugt Materialien zu verwenden, die wenig oder keine entsprechenden chemischen Inhaltsstoffe enthalten, die für den Fogging-Effekt verantwortlich gemacht werden. Solche Materialien sind an Umweltkennzeichen wie dem Blauen Engel, dem R-Symbol, dem Naturplus-Zeichen o.ä. zu erkennen. Der Einsatz von speziellen Anti-Fogging-Produkten ist nur dann sinnvoll, wenn diese auf problematische Inhaltsstoffe weitgehend verzichten (z.B. Phthalate (Weichmacher), Alkane (Oberflächenversiegelung), Paraffine (Kerzen), Fettsäuren (wasserabweisende Oberflächen), Fettalkohole (Reinigungsmittel) usw.). Dazu sollte das entsprechende technische Merkblatt beachtet werden. Ganz sicher geht man mit Materialien, die zu einem hohen Anteil aus natürlichen Rohstoffen gewonnen werden und weitgehend auf Kunststoffe verzichten (z.B. Kalk- oder Lehmfarben). Gleiches gilt für Einrichtungs- und Ausstattungsgegenstände wie Möbel, Bodenbeläge oder Reinigungs- und Pflegemittel.

Bei der Verwendung von Kerzen, Öllampen, Kaminen oder wenn in der Wohnung viel geraucht wird, sollte auf eine regelmäßige Lüftung geachtet werden. Nur so kann die verunreinigte und verbrauchte Raumluft ausreichend ausgetauscht und die Konzentration von Haus- und Feinstaub sowie Ruß usw. vermieden werden. Nicht unterschätzen sollte man Ausgasungen von starken Reinigungsmitteln, die man ebenfalls durch Lüften aus den Wohnräumen entfernen sollte.

Ist der Fogging-Effekt einmal aufgetaucht, sollte vor einer Sanierung eine Analyse des Belags vorgenommen werden. Dazu wird eine Wischprobe genommen, die dann in einem zertifizierten Labor untersucht werden kann. Die Zusammensetzung der Probe kann u.U. einen Hinweis auf die mögliche(n) Hauptquelle(n) geben. Die dann folgende Sanierung oder Beseitigung von Baumaterialien oder Einrichtungsgegenständen stellt allerdings nur einen Versuch dar. Denn auch die Laboruntersuchung kann nur grobe Hinweise geben, da die Bestandteile des Fogging-Belags aus unterschiedlichsten Quellen stammen können. Das weitere Vorgehen gestaltet sich dann fallspezifisch und muss Schritt für Schritt mit Hilfe eines Experten angegangen werden.

Hinsichtlich der rechtlichen Beurteilung des Fogging-Effekts sowie die Klärung der Schuldfrage, ist die Sachlage offen. Da sowohl gebäudebedingte Faktoren wie auch nutzerbezogene Ursachen verantwortlich gemacht werden können, hängt die juristische Beurteilung von der tatsächlichen Feststellung der Ursachen ab. Dann kann Fogging u. U. auch einen Mangel des Wohnraumes darstellen. Allerdings ist zu beachten, dass ggf. ein Verschulden bei dem oder den Herstellern der Bauprodukte liegen kann, was diese aber meist erfolgreich von sich weisen können. Aufgrund der ungeklärten Sachlage in technischer und juristischer Hinsicht, ist die Beweislast von zentraler Bedeutung. Der Vermieter muss i. d. R. nachweisen, das er die Wohnung zum Bezugszeitpunkt mängelfrei übergeben hat. Der Mieter hingegen muss beweisen, dass der Mangel durch den Fogging-Effekt nicht auf mietereigene Ausstattung und entsprechendes Verhalten verursacht ist. Zur Klärung eines Fogging-Falls müssen demnach alle möglichen Ursachen zunächst ausgeschlossen werden, was angesichts der vielfältigen Quellen u. U. ein sehr langfristiges und kostenintensives Verfahren sein kann. Daher wird empfohlen, bei Fogging einen Vergleich zwischen den beteiligten Parteien anzustreben.

Autor: Peter K. Wolff





Baubiologe IBN, Energieberater

Freier Sachverständiger für Schäden an Innenräumen und Bauphysik

Büro für Baubiologie und Information GbR, Sontra
www.baubiologiebuero.de



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